Aus dem Kurier vom 16. Dezember 2014, Autor: Maria Haiderer, kurier.at

Auf Du und Du mit den Promis

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Ob Tobias Moretti, Franz Vranitzky, Falco, Nena, Rudi Roubinek, Jimmy Cliff, Ingrid Thurnher, Andy Lee Lang oder Andreas Vitasek – die Gästeliste des Nikodemus ist lang.

Ich hatte das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein“, sagt Niki Neunteufel, Chef des In-Lokals im Zentrum von Purkersdorf, über seinen Erfolg. Die Idee hinter seinem Restaurant: „Wir wollen große Künstler im kleinen, intimen Rahmen präsentieren.“

Seit 1529 besteht das Lokal, schon über 220 Jahre ist seine Familie dort ansässig und gastronomisch tätig. Nach Absolvierung der Hotelfachschule begann der junge Neunteufel als Rezeptionist für das Hotel Intercontinental in Wien zu arbeiten. Schon damals haben ihn Begegnungen mit hochrangigen Stars – wie den Schauspielern aus „Dallas“ – fasziniert.

Familie

Wenig später zog es ihn in die weite Welt, als 19-Jähriger ging er ohne fixes Jobangebot nach Amerika und Australien, wo er sich drei Jahre lang nicht nur in der Gastronomie sondern auch am Bau verdingte. Eigentlich nur auf Stippvisite nach Hause gekommen, durchkreuzte eine schicksalhafte Begegnung seine Pläne. Er traf auf Wolfgang Ambros, der schon als Kind oft im Landgasthof seiner Eltern zu Gast war. „Daraus hat sich eine innige, bis heute andauernde Freundschaft entwickelt“, erzählt Neunteufel. Auf der Suche nach Arbeit tourte er mit dem damals großen Popmusiker dann quer durch Deutschland und die Schweiz. So lernte er das Musikgeschäft kennen.
Beim gemeinsamen Besuch eines Wiener In-Lokals kam ihm die Idee, ein Restaurant in ähnlichem Stil zu eröffnen. Und bald darauf, im Mai 1990, begann der 23-Jährige im ehemaligen Ballsaal des elterlichen Wirtshauses sein Experiment. „Niemand hat ernsthaft geglaubt, dass sich das Lokal halten wird“, erzählt er.

Globetrotter

Es ist offensichtlich, dass der Name „Nikodemus“ in enger Verbindung zu seinem Namen steht. Doch nur einige Wenige wissen, dass der Hausherr mit richtigem Vornamen eigentlich Franz Neunteufel heißt. Wie sein Spitzname entstand: Als Kind wünschte er sich ein Go-Kart mit roten Sturzhelm wie sein Idol Niki Lauda. Und der Name ist ihm geblieben.
Ab 1997 pendelte er der Liebe wegen immer wieder zwischen Purkersdorf und den USA. Seine Zelte schlug er einige Zeit auch im „Tavern of the Green“, dem Szenelokal im Herzen des Central Parks in New York, auf. Auch Kofi Annan hat er schon bekocht. Neben dem Mountainbiken zählt das Reisen mit Frau Brigitte zu seinen Hobbys. Das schlägt sich auch in seiner Speisekarte nieder: „Das Herz ist natürlich Wienerisch, aber ein paar kulinarische Ausritte habe ich mir eingebildet. Manche werden zum Klassiker.“

Lokal

Aus dem fernen Kapstadt stammt das Südafrikanische Hühnercurry (sh. oben). Doch internationalen Charme versprüht auch das Lokal: Absoluter Hingucker ist die britische Telefonzelle, durch die man zu den Sanitäranlagen gelangt. „Das sorgt immer noch für Verwirrung bei Erstbesuchern“, meint der Gastronom. Im Weinkeller aus dem Jahr 1529 – ursprünglich als „Eishaus“ zur Konservierung von Lebensmitteln verwendet – wird oft geheiratet. 

Nach fast 25 Jahren Nikodemus stellt der Chef fest: „Damals hab’ ich mich sehr viel getraut, das ist das Vorrecht der Jugend. Heute bin ich vorsichtiger.“

25 JAHRE NIKODEMUS
Queen war zu Gast

Vom typischen Austropopper über grantelnde Kabarettisten bis hin zu internationalen Rockröhren: Das regelmäßig im Nikodemus angebotene Kulturprogramm ist vielschichtig. „Ich will kein Dinosaurier der Neunziger sein“, sagt der 57-jährige Niki Neunteufel, weshalb er sich diesbezüglich ans Publikum anpasst.

Die Sternstunde des Lokals: Anlässlich des 40. Geburtstages von Filmemacher Rudi Dolezal trat die britische Rockband „Queen“ hier auf. Auch österreichische Musikgeschichte wurde geschrieben: Die Gründung von Austria 3 nahm hier ihren Ausgang, im Dezember 1997 gaben Rainhard Fendrich, Wolfgang Ambros und Georg Danzer ihr allererstes Konzert – vor Nikodemus-Publikum.

Nicht nur für sein Lokal konnte Niki Neunteufel renommierte Gäste gewinnen, sondern auch für den seit 2002 stattfindenden Purkersdorfer Open-Air-Sommer, der alljährlich mehrere Tausend Menschen auf den Hauptplatz lockt. Bei der Ausrichtung so vieler Veranstaltungen gab es klarerweise auch Hoppalas, über die er heute nur noch lachen kann.

Drei Mal im Frühjahr sowie im Herbst holt der Szenewirt Künstler in den Stadtsaal. Außerdem stellt er sein Restaurant jeden Dezember für den guten Zweck zur Verfügung. Im Rahmen einer „Licht-ins-Dunkel-Aktion“ versuchen sich Prominente als Köche und Kellner. „Ich habe extrem viel Glück und Erfolg im Leben erfahren, daher sehe ich es auch als Verpflichtung, im Rahmen meiner Möglichkeiten etwas zurückzugeben“, sagt Neunteufel.

NACHGEKOCHT: Südafrikanisches Hühnercurry

Zutaten für 4 Personen
50 dag Hühnerbrust
80 dag Paradeiser
4 Zwiebeln
6 Knoblauchzehen
6 EL Olivenöl
3 EL getrocknete Kokosraspel
2 Lorbeerblätter
3 EL Curry
1/16 L Obers
1 TL getrocknetes Chilipulver
1 ausgepresste Zitrone
Salz und Pfeffer (nach Belieben)

Zubereitung
Hühnerbrust klein schneiden, Zwiebeln schälen und würfeln
Paradeiser überbrühen, abziehen, entkernen und fein zerdrücken, Knoblauch abziehen und durchpressen
Zwiebeln, Tomaten, Knoblauch, Lorbeerblatt und Zitronensaft in Öl erhitzen
Curry, Chili, Kokosraspeln, Salz und Pfeffer gründlich mit Obers verrühren; zur Zwiebel-Paradeisermischung geben
Das Hühnerfleisch zugeben
Das Ganze für etwa eineinhalb Stunden köcheln lassen

Gut dazu passt Naturreis.